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06.03.2020

Interview 10 Fragen an Garrelt Duin

B.: 1. Wir kennen uns noch aus der Zeit, bevor Du NRW-Wirtschaftsminister wurdest. Du wurdest 1998 als Rechtsanwalt zugelassen. Das Thema „Wirtschaft“ wurde Dir also nicht in die Wiege gelegt, oder?

D.: Als ich im Jahr 2000 Mitglied des Europaparlaments wurde, habe ich entschieden, mich um die wichtigsten Fragen für meinen Wahlkreis zu kümmern. Das waren damals noch Schiffbau und die Automobilindustrie. Seitdem haben mich industrie- und wirtschaftspolitische Themen immer begleitet, im Bundestag und natürlich als Minister.

B.: 2. Als Minister hast Du versucht, alle Beteiligten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit einzubinden, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Du bist seit Deiner Schulzeit SPD-Mitglied. Ist das ein Handicap bei Deiner jetzigen Tätigkeit?

D.: Man macht bessere Arbeit, wenn man viele Leute um sich hat, die die Besten in ihren Bereichen sind. Da kann die Parteimitgliedschaft kein Kriterium sein. Die Vollversammlung der Handwerkskammer hat mich einstimmig zum Hauptgeschäftsführer gewählt. Verbunden ist das mit der Erwartung parteipolitischer Neutralität bei öffentlichen Aussagen. Meine Herkunft oder Mitgliedschaft werde ich deswegen aber nie verleugnen.

B.: 3. Was sind Deine Aufgaben als Hauptgeschäftsführer?

D.: Ich steuere das Schiff. Wir sind 250 Beschäftigte, die Betriebe beraten, aus- und weiterbilden, sich um den Nachwuchs im Handwerk kümmern. Aber auch viele juristische Fragen und nicht zuletzt ordentliche Finanzen gehören zu meiner Verantwortung.

B.: 4. Du bist jetzt mehr als ein halbes Jahr Hauptgeschäftsführer der HWK Köln. Was sind die größten Veränderungen im persönlichen Tagesablauf?

D.: Ich lebe jetzt in der Woche in Köln, während meine Familie noch in Essen ist. Das ist eine gewisse Umstellung, die wir aber zusammen gut meistern.

B.: 5. Als Minister wurden Forderungen an Dich gestellt. Nun stellst Du die Forderungen. Aus dem Gejagten wurde ein Jäger. Macht das mehr Vergnügen?

D.: Ich habe weder das Gefühl des Gejagten noch das des Jägers je gehabt. In den Sachfragen muss ich auch meine Meinung nicht ändern. Ich habe mich als Minister immer sehr für das Handwerk eingesetzt, hatte es sogar im Namen des Hauses. (MWEIMH= Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk (Red.))

Auch das Thema Bürokratieabbau stand für mich nicht nur in den Sonntagsreden. Ein Unterschied ist, dass ich früher Fördermittel ausgegeben habe, heute welche z.B. für unser Bildungszentrum beantrage. Da bin ich dann doch etwas zum Jäger geworden.

B.: 6. Was sind Deine Ziele in der neuen Funktion?

D.: Der größte Schritt muss bei der Digitalisierung gemacht werden. Da sind wir als Servicestelle für das Handwerk noch nicht gut genug. Und es muss immer klar sein, dass wir die Kammer in Köln sind aber eben nicht nur für Köln sondern für die ganze Region.

Kommen wir zu Sach-Themen:

B.: 7. In 2012 hast Du einen bundesweiten Ausgleich für die Kosten der Energiewende (auch zu Gunsten von NRW) gefordert, Bayern klagte damals gegen den Länderfinanzausgleich. Das Thema ist immer noch aktuell. Wer soll die Energiewende letztlich bezahlen:

  • Die Bürger über Steuern und Energiekosten?
  • Die Wirtschaft, und damit auch das Handwerk?
  • Oder welche Vorstellung hast Du dazu?

D.: Die Klima- und Energiewende ist zwingend erforderlich und mittlerweile ja gesellschaftlich auch von fast allen gewollt. Solche Umbrüche müssen dann auch von allen gestemmt werden, man darf die Verlierer dieses Weges nicht allein lassen. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass alle über Steuern auch an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligt werden müssen. Und Steuern sind immer auch entsprechend der Leistungsfähigkeit zu zahlen.

B.: 8. Die Berufliche Bildung ist trotz aller Sonntagsreden von Politikern immer noch unterfinanziert, insbesondere im Vergleich zur Finanzierung der Akademischen Bildung. Die Akzeptanz des Handwerks ist auch noch verbesserungswürdig, trotz sehr guter Image-Kampagnen des Handwerks. Was ist zu tun?

D.: Wir kommen voran. Der Pakt der Landesregierung zugunsten der Bildungsstätten hilft uns sehr, die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Damit bleiben wir auch technisch auf Höhe der Zeit. Außerdem sind Meister und Bachelor jetzt endlich auch gesetzlich gleichgestellt. Wir selbst haben die Aufgabe junge Menschen noch viel früher und viel genauer über die Perspektiven einer dualen Ausbildung und der Weiterbildung bis hin zum trialen Studium zu informieren. In der Vergangenheit haben wir zwar teure Broschüren gedruckt damit aber kaum jemanden wirklich begeistern können. Es braucht mehr Bezug zur Praxis schon in der Schule. Kein Abschluss ohne Anschluss (KAOA) war ja ein guter Ansatz, aber wir müssen gemeinsam mit allen Akteuren noch viel häufiger jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit dem Handwerk konkret zu beschäftigen.

B.: 9. Die AGS hat sich in der Vergangenheit immer sehr für die Belange des Handwerks eingesetzt. Das hat zu guten Kontakten zwischen den Handwerksorganisationen und dem Handwerk geführt. Wie können wir diesen Kontakt pflegen oder sogar ausbauen?

D.: Ich habe das Engagement der AGS immer sehr geschätzt und stehe selbstverständlich gerne für diesen kontinuierlichen Austausch zur Verfügung.

Zur letzten Frage:

B.: 10. Das Jahr ist noch jung. Hast Du Vorsätze für das Jahr 2020?

D.: Vorsätze sind ja so eine Sache. Mit dem Rauchen aufhören, etwas Sport treiben, gesünder essen. Mal gucken, was so klappt. Aber einen Wunsch habe ich. Es wäre toll, wenn der 1. FC Köln und mein Verein, der HSV, ab dem Sommer wieder zusammen in der 1. Liga spielen würden.

B.: Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir viel Freude und Erfolg bei Deiner Arbeit.

André Brümmer (li.,Ehrenvorsitzender der AGSNRW) und Garrelt Duin (re., Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln)